*Das Foto wurde von The Big Greek aufgenommen. Es handelt sich um das Hotel auf Zypern, in dem das diesjährige Kandidatenturnier stattfindet.
Ilja Zaragatski ist Großmeister im Schach und war einer der Mitbegründer der Schachschule chessemy. In dieser Saison hat er sich entschieden, für die erste Mannschaft unseres Vereins zu spielen und das eine oder andere „Spezial“-Training z.B. für unsere Kinder und Jugendlichen zu geben.
Hey Ilja, schön dass Du Dir die Zeit für ein Interview nimmst. Was hat Dich nach Bensheim gezogen? Ist es der Wein der Bergstraße, das warme Klima oder etwas anderes?
Hauptsächlich genau diese beiden Dinge! Nebensächlich die Tatsache, dass ich schon seit einiger Zeit in’s Vereinstraining involviert bin und die meisten meiner Mannschaftskameraden bereits kannte. Darüber hinaus zeichne ich für die Schachbundesliga-Livekommentierung verantwortlich, welche sich terminlich zu einem großen Teil mit den höchsten deutschen Ligen überschneidet. Nicht aber die Verbandsliga, und so ergab es sich ganz folgerichtig, dass ich auf diese Weise weiter aktiv bleiben könnte und dem Verein eine Hilfe darstellen würde.
Sehr schön – dann lass uns direkt auf das schauen, was unsere Mitglieder am meisten interessiert: konkrete Impulse, die im Vereinsalltag wirklich helfen – für alle, die bei uns mit Herzblut trainieren.
Viele unserer Mitglieder bewegen sich zwischen „solidem Vereinsniveau“ und ambitioniertem Turnierschach. Wenn Du nur drei Trainingsbausteine auswählen dürftest, die bei Klubspielern in 2026 den größten Sprung bringen: Welche wären das – und wie sähe eine einfache Wochenroutine (z. B. 3×20 Minuten) dazu aus?
- chessemy-Kurse kaufen. Spaß :) Übungsaufgaben lösen, z.B. bei lichess
- (Online-)Trainingspartien spielen und die Eröffnungsphase nachbereiten
- (Gute/passende) Strategiebücher oder Videokurse studieren
Du hast bei uns auch mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet: Was ist aus Deiner Erfahrung der häufigste Fehler im Training junger Spieler (z. B. zu viel Theorie, zu früh zu viel Eröffnung, falscher Fokus) – und was ist eine Methode, die Du besonders wirksam findest, damit sie am Brett bessere Entscheidungen treffen?
Kinder machen es typischerweise eigentlich ganz gut, da steht meistens das Spielerische und Praktische im Vordergrund. Erwachsene hingegen machen sehr häufig den Fehler, immer mehr theoretisches Schachwissen akkumulieren zu wollen und vernachlässigen dabei, ihre Schachskills durch praktische Übungen weiterzuentwickeln. Sie versuchen häufig, Partien oder Positionen im Nachhinein zu verstehen, wären aber oft besser beraten, ihre Fähigkeit, im Voraus Entscheidungen zu treffen, einzutrainieren. Dies geschieht eben am besten durch Übungsaufgaben (meistens taktisch) und Analyse von Stellungen im Stile von Versuch und Irrtum.
Du spielst diese Saison für unsere erste Mannschaft: Worauf achtest Du in einem Team besonders, damit es nicht nur sportlich, sondern auch menschlich funktioniert? Und was können Vereins-Spieler tun, um als Teamkollege am Brett stabiler und hilfreicher zu sein?
Schach ist zwar kein Teamsport, aber ein gewisser Mannschaftsgeist ist in jeder Liga wichtig, um als geschlossene Einheit besser zu performen. Acht Freunde sollt ihr sein (oder so ähnlich) hat ein berühmter Schachtrainer (oder so ähnlich) mal gesagt, und nach meiner Erfahrung stimmt das auch. Wenn Vereins- und Mannschaftskameraden gemeinsam zu Turnieren fahren oder sich auch mal privat treffen oder gar befreundet sind, ist das schon fast die halbe Miete!
Eine Sache, bei der wir uns aber noch ein bisschen verbessern können, ist in meinen Augen, noch mehr Killerinstinkt zu entwickeln. Dazu gehört, dass man nicht unbedingt allzu schnell und friedlich Remis geben, sondern lieber probieren sollte, seine Gegner bei Mannschaftskämpfen an möglichst vielen Brettern unter Druck zu setzen. Kurzfristig kann sich das natürlich auch mal rächen, aber langfristig sollte dies die Chancen auf ein bessere Mannschaftsergebnisse spürbar verbessern.
Was möchtest Du der SG31 Bensheim für das Jahr 2026 mit auf den Weg geben?
Das Gleiche was ich auch Nicht-Schachspielern wünschen würde: Glück, Gesundheit und Zufriedenheit. Denn ich finde, dass der Verein trotz seiner vergleichsweise überschaubaren Größe und als Repräsentant einer eher kleineren Stadt auch so schon einen super Job macht! Routinierte Spieler bilden die Säulen der ersten beiden Mannschaften und es gibt viele engagierte Mitglieder, die wichtige Freiwilligenarbeit leisten. Es herrscht ein reges Vereinsleben mit Trainingsangeboten für Kinder/Jugendliche wie Erwachsene und der interne Zusammenhalt ist bemerkenswert!
Zum Schluss eine ganz andere Frage: Gab es ein Schach-Missgeschick oder einen unerwarteten Moment am Brett, über den Du noch heute schmunzeln musst?
Einmal habe ich es geschafft, in ein und derselben Partie nacheinander zwei Kaffeetassen komplett umzustoßen und auf’s Brett zu schütten. Normalerweise bin ich nicht so tollpatschig, aber immerhin: Die Verwirrungsstrategie hat Früchte getragen, ich konnte meine Partie gewinnen :)
